Testo

In lingua originale

Dem Unendlichen (Klopstock)
F.SCHUBERT

Wie erhebt sich das Herz, wenn es dich,
Unendlicher, denkt! wie sinkt es,
Wenn’s auf sich herunterschaut!
Elend schaut’s wehklagend dann und Nacht
und Tod!
Allein du rufst mich aus meiner Nacht,
der im Elend, der im Tode hilft!
Dann denk’ ich es ganz, dass du ewig
mich schufst,
Herrlicher, den kein Preis, unten am
Grab, oben am Thron,
Herr Gott, den, dankend entflammt, kein
Jubel genug besingt!
Weht, Bäume des Lebens, ins Harfengetön!
Rausche mit ihnen ins Harfengetön, kristallner
Strom!
Ihr lispelt und rauscht, und, Harfen, ihr
tönt
Nie es ganz! Gott ist es, den ihr preist!
Donnert,Welten,
In feierlichem Gang, in der Posaunen
Chor!
Tönt, all’ ihr Sonnen auf der Straße voll
Glanz,
In der Posaunen Chor!
Ihr Welten, donnert,
Du, der Posaunen Chor, hallest
Nie es ganz: Gott - nie es ganz: Gott,
Gott, Gott ist es, den ihr preist!


Sei mir gegrüßt (Rückert)
F.SCHUBERT
O du Entrissne mir und meinem Kusse,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküsst!
Erreichbar nur meinem Sehnsuchtgruße,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküsst!
Du von der Hand der Liebe diesem Herzen
Gegebne, Du von dieser Brust
Genommne mir! Mit diesem Tränengusse
Sei mir gegrüßt, sei mir geküsst.
Zum Trotz der Ferne, die sich feindlich
trennend
Hat zwischen mich und dich gestellt;
Dem Neid der Schicksalmächte zum Verdrusse
Sei mir gegrüßt, sei mir geküsst!
Wie du mir je im schönsten Lenz der
Liebe
Mit Gruß und Kuss entgegenkamst,
Mit meiner Seele glühendstem Ergusse,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküsst!
Ein Hauch der Liebe tilget Raum und
Zeiten,
Ich bin bei dir, du bist bei mir,
Ich halte dich in dieses Arms Umschlusse,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküsst!
Du bist die Ruh (Rückert)
F.SCHUBERT
Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.
Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.
Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.
Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!


Daß sie hier gewesen
F.SCHUBERT

Dass der Ostwind Düfte
Hauchet in die Lüfte,
Dadurch tut er kund,
Dass du hier gewesen.
Dass hier Tränen rinnen,
Dadurch wirst du innen,
Wär’s dir sonst nicht kund,Dass ich hier gewesen.
Schönheit oder Liebe,
Ob versteckt sie bliebe,
Düfte tun es und Tränen kund,
Dass sie hier gewesen.


Greisengesang (Rückert)
F.SCHUBERT

Der Frost hat mir bereifet des Hauses
Dach;
Doch warm ist mir’s geblieben im Wohngemach.
Der Winter hat die Scheitel mir weiß gedeckt;
Doch fließt das Blut, das rote, durchs
Herzgemach.
Der Jugendflor der Wangen, die Rosen sind
Gegangen, all gegangen einander nach -
Wo sind sie hingegangen? ins Herz hinab:
Da blühn sie nach Verlangen, wie vor so
nach.
Sind alle Freudenströme der Welt versiegt?
Noch fließt mir durch den Busen ein stiller
Bach.
Sind alle Nachtigallen der Flur verstummt?
Noch ist bei mir im Stillen hier eine wach.
Sie singet:“Herr des Hauses! verschleuß
dein Tor,
Dass nicht die Welt, die kalte, dring ins
Gemach.
Schleuß aus den rauher Odem der Wirklichkeit,
Und nur dem Duft der Träume gib Dach
und Fach!”


Lieder eines fahrenden Gesellen
G.MAHLER

1. Wenn mein Schatz Hochzeit macht
Wenn mein Schatz Hochzeit macht,
Fröhliche Hochzeit macht,
Hab’ ich meinen traurigen Tag!
Geh’ ich in mein Kämmerlein,
Dunkles Kämmerlein,
Weine, wein’ um meinen Schatz,
Um meinen lieben Schatz!
Blümlein blau! Verdorre nicht!Vöglein süß! Du singst auf grüner Heide.
Ach, wie ist die Welt so schön!
Ziküth! Ziküth!
Singet nicht! Blühet nicht!
Lenz ist ja vorbei!
Alles Singen ist nun aus.
Des Abends, wenn ich schlafen geh’,
Denk’ ich an mein Leide.
An mein Leide!


2. Ging heut morgen übers Feld
Ging heut morgen übers Feld,
Tau noch auf den Gräsern hing;
Sprach zu mir der lust’ge Fink:
“Ei du! Gelt? Guten Morgen! Ei gelt?
Du! Wird’s nicht eine schöne Welt?
Zink! Zink! Schön und flink!
Wie mir doch die Welt gefällt!”
Auch die Glockenblum’ am Feld
Hat mir lustig, guter Ding’,
Mit den Glöckchen, klinge, kling,
Ihren Morgengruß geschellt:
“Wird’s nicht eine schöne Welt?
Kling, kling! Schönes Ding!
Wie mir doch die Welt gefällt! Heia!”
Und da fing im Sonnenschein
Gleich die Welt zu funkeln an;
Alles Ton und Farbe gewann im Sonnenschein!
Blum’ und Vogel, groß und klein!
“Guten Tag, ist’s nicht eine schöne Welt?
Ei du, gelt? Schöne Welt?”
Nun fängt auch mein Glück wohl an?
Nein, nein, das ich mein’,
Mir nimmer blühen kann!


3. Ich hab’ ein glühend Messer
Ich hab’ ein glühend Messer,
Ein Messer in meiner Brust,
O weh!
Das schneid’t so tief
In jede Freud’ und jede Lust.
Ach, was ist das für ein böser Gast!
Nimmer hält er Ruh’, nimmer hält er
Rast,
Nicht bei Tag, noch bei Nacht, wenn ich
schlief.
O Weh!
Wenn ich in dem Himmel seh’,
Seh’ ich zwei blaue Augen stehn.
O Weh! Wenn ich im gelben Felde geh’,Seh’ ich von fern das blonde Haar
Im Winde wehn.
O Weh!
Wenn ich aus dem Traum auffahr’
Und höre klingen uhr silbern’ Lachen,
O Weh!
Ich wollt’, ich läg auf der schwarzen
Bahr’,
Könnt’ nimmer die Augen aufmachen!


4. Die zwei blauen Augen von meinem
Schatz
Die zwei blauen Augen von meinem
Schatz,
Die haben mich in die weite Welt geschickt.
Da musst ich Abschied nehmen
Vom allerliebsten Platz!
O Augen blau, warum habt ihr mich angeblickt?
Nun hab’ ich ewig Leid und Grämen.
Ich bin ausgegangen in stiller Nacht
Wohl über die dunkle Heide.
Hat mir niemand Ade gesagt.
Ade! Mein Gesell’ war Lieb’ und Leide!
Auf der Straße steht ein Lindenbaum,
Da hab’ ich zum ersten Mal im Schlaf
geruht!
Unter dem Lindenbaum, der hat
Seine Blüten über mich geschneit,
Da wusst’ ich nicht, wie das Leben tut,
War alles, alles wieder gut!
Alles! Alles, Lieb und Leid
Und Welt und Traum!


Romanze (Chézy)
F.SCHUBERT

Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhn -
Wie hab ich dich vermisst!
Du süßes Herz! es ist so schön,
Wenn treu die Treue küsst.
Was frommt des Maien holde Zier?
Du warst mein Frühlingsstrahl!
Licht meiner Nacht, O lächle mir
Im Tode noch einmal!
Sie trat hinein beim Vollmondschein,
Sie blickte himmelwärts;
“Im Leben fern, im Tode dein!”Und sanft brach Herz an Herz.


Alinde (Rochlitz)
F.SCHUBERT

Die Sonne sinkt ins tiefe Meer,
Da wollte sie kommen.
Geruhig trabt der Schnitter einher,
Mir ist’s beklommen.
“Hast, Schnitter, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde, Alinde!”
“Zu Weib und Kindern muss ich gehn,
Kann nicht nach andern Dirnen sehn;
Sie warten mein unter der Linde”.
Der Mond betritt die Himmelsbahn
Noch will sie nicht kommen.
Dort legt ein Fischer das Fahrzeug an,
Mir ist’s beklommen.
“Hast, Fischer, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde, Alinde!”
“Muss suchen, wie mir die Reusen
stehn,
Hab nimmer Zeit nach Jungfern zu
gehn.
Schau, welch einen Fang ich finde”.
Die lichten Sterne ziehn herauf,
Noch will sie nicht kommen.
Dort eilt der Jäger in rüstigem Lauf.
Mir ist’s beklommen.
“Hast, Jäger, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde, Alinde!”
“Muss nach dem braunlichen Rehbock
gehn.
Hab nimmer Lust nach Mädeln zu sehn;
Dort schleicht er im Abendwinde”.
In schwarzer Nacht steht hier der Hain,
Noch will sie nicht kommen.
Von allen Lebend’gen irr ich allein,
Bang und beklommen.
“Echo, darf ich mein Leid gestehn:
Alinde, Alinde!”
“Alinde” ließ Echo leise herüberwehn.
Da sah ich sie mir zur Seite stehn:
“Du suchtest so treu, nun finde!”

Fischerweise (Schlechta);
F.SCHUBERT

Den Fischer fechten Sorgen
Und Gram und Leid nicht an;
Er löst am frühen Morgen
Mit leichtem Sinn den Kahn.
Da lagert rings noch Friede
Auf allen Flur und Bach,
Er ruft mit seinem Liede
Die gold’ne Sonne wach.
Er singt zu seinem Werke
Aus voller frischer Brust,
Die Arbeit gibt ihm Stärke,
Die Stärke Lebenslust.
Bald wird ein bunt Gewimmel
In allen Tiefen laut
Und plätschert durch den Himmel,
Der sich im Wasser baut.
Doch wer ein Netz will stellen,
Braucht Augen klar und gut,
Muss heiter gleich den Wellen
Und frei sein wie die Flut.
Dort angelt auf der Brücke
Die Hirtin. Schlauer Wicht,
Gib auf nur deine Tücke,
Den Fisch betrügst du nicht.


Jägers Abendlied (Goethe)
F.SCHUBERT

Im Felde schleich ich, still und wild,
Gespannt mein Feuerrohr.
Da schwebt so licht dein liebes Bild,
Dein süßes Bild mir vor.
Du wandelst jetzt wohl still und mild
Durch Feld und liebes Tal,
Und ach, mein schnell verrauschend
Bild,
Stellt sich dir’s nicht einmal?
Des Menschen, der die Welt durchstreift
Voll Unmut und Verdruss,
Nach Osten und nach Westen schweift,
Weil er dich lassen muss.
Mir ist es, denk’ ich nur an dich,
Als in den Mond zu sehn;
Ein stiller Friede kommt auf mich,
Weiß nicht wie mir geschehn.

Auf der Bruck (Schulze)
F.SCHUBERT

Frisch trabe sonder Ruh und Rast,
Mein gutes Ross, durch Nacht und Regen!
Was scheust du dich vor Busch und Ast
Und strauchelst auf den wilden Wegen?
Dehnt auch der Wald sich tief und dicht,
Doch muss er endlich sich erschließen;
Und freundlich wird ein fernes Licht
Uns aus dem dunkeln Tale grüßen.
Wohl könnt ich über Berg und Feld
Auf deinem schlanken Rücken fliegen
Und mich am bunten Spiel der Welt,
An holden Bildern mich vergnügen;
Manch Auge lacht mir traulich zu
Und beut mit Frieden, Lieb und Freude,
Und dennoch eil ich ohne Ruh,
Zurück zu meinem Leide.
Denn schon drei Tage war ich fern
Von ihr, die ewig mich gebunden;
Drei Tage waren Sonn und Stern
Und Erd und Himmel mir verschwunden.
Von Lust und Leiden, die mein Herz
Bei ihr bald heilten, bald zerrissen
Fühlt ich drei Tage nur den Schmerz,
Und ach! die Freude musst ich missen!
Weit sehn wir über Land und See
Zur wärmer Flur den Vogel fliegen;
Wie sollte denn die Liebe je
In ihrem Pfade sich betrügen?
Drum trabe mutig durch die Nacht!
Und schwinden auch die dunkeln Bahnen,
Der Sehnsucht helles Auge wacht,
Und sicher führt mich süßes Ahnen.

Rückert-Lieder
G. MAHLER

1. Ich atmet’ einen linden Duft!
Ich atmet’ einen linden Duft!
Im Zimmer stand
Ein Zweig der Linde,
Ein Angebinde
Von lieber Hand.
Wie lieblich war der Lindenduft!
Wie lieblich ist der Lindenduft!
Das Lindenreis
Brachst du gelinde!
Ich atme leis
Im Duft der Linde
Der Liebe linden Duft.


2. Liebst du um Schönheit


Liebst du um Schönheit,
O nicht mich liebe!
Liebe die Sonne,
Sie trägt ein gold’nes Haar!
Liebst du um Jugend,
O nicht mich liebe!
Liebe der Frühling,
Der jung ist jedes Jahr!
Liebst du um Schätze,
O nicht mich liebe.
Liebe die Meerfrau,
Sie hat viel Perlen klar.
Liebst du um Liebe,
O ja, mich liebe!
Liebe mich immer,
Dich lieb’ ich immerdar.


3. Blicke mir nicht in die Lieder


Blicke mir nicht in die Lieder!
Meine Augen schlag' ich nieder,
Wie ertappt auf böser Tat.
Selber darf ich nicht getrauen,
Ihrem Wachsen zuzuschauen.
Deine Neugier ist Verrat!
Bienen, wenn sie Zellen bauen,
Lassen auch nicht zu sich schauen,
Schauen selber auch nicht zu.
Wenn die reichen Honigwaben
Sie zu Tag gefördert haben,
Dann vor allen nasche du!

4. Ich bin der Welt abhanden gekommen


Ich bin der Welt abhanden gekommen,
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!
Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der
Welt.
Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh’ in einem stillen Gebiet!
Ich leb’ allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!


5. Um Mitternacht


Um Mitternacht
Hab’ ich gewacht
Und aufgeblickt zum Himmel;
Kein Stern vom Sterngewimmel
Hat mir gelacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab’ ich gedacht
Hinaus in dunkle Schranken.
Es hat kein Lichtgedanken
Mir Trost gebracht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Nahm ich in acht
Die Schläge meines Herzens;
Ein einz’ger Puls des Schmerzes
War angefacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Kämpft’ ich die Schlacht,
O Menschheit, deiner Leiden;
Nicht konnt’ ich sie entscheiden
Mit meiner Macht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab’ ich die Macht
In deine Hand gegeben!
Herr! über Tod und Leben
Du hältst die Wacht
Um Mitternacht!